Leben wie zu Gotthelfs Zeiten

Sahlenweidli

Die Familie vor dem Sahlenweidli

Bei „Leben wie zu Gotthelfs Zeiten“ handelt es sich um ein persönliches Projekt. Mein Ziel war es, den Betrachter aus dem heute so hektischen Alltag zurück in das 18. Jahrhundert zu führen. Das Leben zu der Zeit war hart und beschwerlich, dafür aber auch ruhiger. Man schrieb Briefe und erwartete nicht sofort eine Antwort. Man ging mit den Hühnern ins Bett und stand mit dem Ruf des Hahns wieder auf. Für Warmwasser und die Zubereitung des Essens musste erst die Kochstelle eingefeuert werden. Mit den Ressourcen musste sparsam umgegangen werden und jede noch so kleine Aufgabe dauerte länger als heute.

Sahlenweidli

Severin in Modelpose

Für die Umsetzung mietete ich für fünf Tage das “Sahlenweidli“, ein Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, das durch die Sendung „Leben wie zu Gotthelfs Zeiten“ des Schweizer Fernsehens einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte. Durch die Sendung wusste ich im Vorfeld, wie es dort aussah, was eine vorherige Besichtigung obsolet machte. Ich konnte für das Vorhaben meine Nichte und ihre zwei Buben im Alter von sechs und acht Jahren, deren Grossvater sowie eine Freundin gewinnen. Die Kleider beschaffte ich für alle Models bei Gretli Amacher in Brienzwiler, die über einen grossen Fundus an Kostümen verfügt und unter anderem auch die Kleider für die Sendung des Schweizer Fernsehens zur Verfügung stellte. Ich erstellte eine umfangreiche Shootingliste mit mehr Bildern, als ich würde realisieren können. Für das Shooting, welches über mehrere Tage und in erheblicher Entfernung vom Wohnort stattfand, galt es auch die notwendigen technischen Gerätschaften bereit zu haben. Aus Mangel an genügend Strom verzichtete ich darauf, ein Studioblitzgerät mitzunehmen. Statt dessen nahm ich zwei SB900 mit Funkauslösern und eine kleine Softbox mit. Eine Ersatzkamera und diverse Objektive sowie anderes Zubehör waren ebenfalls mit dabei.

Sahlenweidli

Spätzli für unser Abendessen, es war echt lecker!

Die Ankunft war ein Erlebnis für sich. Wir zogen in ein „Museum“ ein, hatten das ganze Haus für uns alleine und kamen aus dem Staunen kaum mehr heraus. Trotzdem war keine Zeit zu verlieren, der Grossvater konnte nur eine Nacht bleiben, die Freundin würde am Montag nur für einen Tag kommen. So begannen wir gleich nach der Ankunft mit dem Shooting. Ich fotografierte jeden Tag, das Wetter war mehrheitlich gut und bot auch den gewünschten Regen. In der Nacht zeigte sich ein umwerfender Sternenhimmel, der mich morgens um zwei mit Kamera und Stativ aus dem Haus lockte. Ich konnte die meisten Bilder realisieren und machte in den Tagen die Erfahrung, dass die Arbeit mit Kindern sehr bereichernd, wenn auch einschränkend ist. Es war mir wichtig, nur mit den Kindern zu arbeiten, wenn sie Lust dazu hatten, auch wenn dies lichttechnisch selten zur besten Tageszeit war. Dieser Entscheid erwies sich als richtig, es macht sich in den Bildern bemerkbar, dass sie Spass an ihrer Aufgabe hatten.

Sahlenweidli

Lukas posierend unter dem Baum

Das Projekt war eine wunderbare Erfahrung. Dass wir das Sahlenweidli nicht nur als Bühne benutzten, sondern in den Tagen mit all seinen Einschränkungen darin wohnten, trug dazu bei. Wir lebten selber wie zu Gotthelfs Zeiten, auch wenn ich eine der raren Steckdosen für meine geliebte Kaffeemaschine missbrauchte. Wir kochten auf dem Feuer in der russgeschwärzten Küche, wo man auch am Tage kaum die Hand vor Augen sah, wuschen uns am Brunnen und gingen mit den Hühnern ins Bett. Die Arbeit mit den Models machte Freude, alle waren hoch motiviert und die Stimmung war durchwegs froh und heiter. Eine wichtige neue Erfahrung war für mich die Arbeit mit Kindern als Models. Ich werde immer gerne an diese speziellen und wunderschönen Tage zurückdenken.

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  • Mirta Zuppiger - Wunderschöne Bilder! Hatte sofort sehr viele Erinnerungen an unsere Zeit im Sahleweidli! Liebe Grüsse Mirta Zuppigerantwortenlöschen

    • Ella - Vielen lieben Dank! Ihr Name ist mir natürlich bekannt und ich freue mich sehr über Ihren Kommentar. Ich muss gestehen, das Haus hatte auf mich eine enorme Wirkung, ich fühlte mich sofort mit dem Ort verbunden und der Abschied fiel uns allen schwer. 🙂
      Dass meine Grossneffen im darauffolgenden Sommer wieder ins Sahlenweidli wollten, war mir eine besondere Freude. Es hat dort ja nichts, nicht mal TV. Und trotzdem hatten die Jungs so viel Spass, dass sie gerne wieder Ferien im Sahlenweidli gemacht hätten.
      Liebe Grüsse
      Ellaantwortenlöschen

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